Gute Ideen aufgreifen und unterstützen

  Mit September wird Pfarrer Georg Nigsch, 63, Gerhard Mähr als Pfarrer für Lochau und Eichenberg nachfolgen. Im Gespräch mit Viktoria Bonat, 17, und Reinhard Maier.
  Was waren für Sie wichtige Stationen in Ihrem Leben?
  Aufgewachsen bin ich in einer Bauernfamilie in Schoppernau. Volksschule, dann acht Jahre Gymnasium in Bregenz im Marianum und nach der Matura ein Jahr Studentenaustausch in den USA. Ich war bei einer tollen Familie, mit der ich bis heute in Kontakt stehe. Anschließend habe ich das Theologiestudium in Innsbruck begonnen. Das dritte Studienjahr wollte ich ursprünglich in Jerusalem verbringen, weil das aber nicht klappte, habe ich in Cromwell, Connecticut, in den USA für ein Jahr Theologie studiert.
 
  Nach der Priesterweihe 1983 war ich sechs Jahre Kaplan in Dornbirn St. Martin, dann zwei Jahre in Bregenz-St. Gebhard. Als Kapläne-Vertreter im Priesterrat habe ich von dem Ersuchen von Pfarrer Richard Flatz und dem dortigen Bischof um personelle Unterstützung in Ecuador erfahren. Er war mein Rektor in Marianum und seit 1972 als Missionar in Ecuador tätig. Das hat mich gereizt und so war ich dann 26 Jahre Pfarrer im 3.000-Einwohner-Ort Guadalupe mit 12 bis 15 umliegenden Dörfern, dem Bildungshaus des Vikariates und einer Missionsklinik. Ich war also Tag und Nacht im Einsatz und für mich war klar, dass ich nicht bis an mein Lebensende in Südamerika bleiben wollte. So bin ich vor drei Jahren zurück nach Vorarlberg gekommen.
  Wie erleben Sie die kirchliche Situation in Vorarlberg im Vergleich mit Ecuador?
 
  Der Priestermangel in Südamerika hat ganz andere Dimensionen als hier. 1991 waren wir sieben oder acht Priester im ganzen Vikariat. Personell ist die Kirche in Vorarlberg im Vergleich mit Südamerika sehr gut gestellt. Da jammern wir auf hohem Niveau. Die Mitarbeit der Laien ist ganz selbstverständlich. Ich versuche das Positive zu sehen, mag die Dauerkritik an der Kirche nicht, auch wenn ich mir bewusst bin, dass wir eine sündhafte Kirche sind. Auch Jesus hat Sünder berufen, nicht „Heilige“.
  Wie haben Sie den Wechsel zurück nach Europa erlebt?
 
  Vorarlberger ticken in vielem anders als Südamerikaner. Dort habe ich mir Freiheit im Denken und im pastoralen Tun angeeignet. In Lateinamerika ist der Begriff „Mission“ sehr positiv besetzt, ein freudiges Weitergeben des Glaubens. In Europa ist das Wort fast verpönt. Man spricht stattdessen von einer „Geh-hinaus-Kirche“ oder einer „Komm-herein-Kirche“ und meint in etwa dasselbe, aber den Begriff „Mission“ umgeht man lieber.
  War Pfarrer schon immer Ihr Berufstraum oder hatten Sie auch andere Berufsziele?
 
  Fliegen hat mich sehr interessiert, Hubschrauberpilot war mein Traum. Im Laufe meines Lebens bin ich dann auch viel geflogen, zwar nicht als Pilot, sondern als Passagier: zwischen Europa, Ecuador und den USA, aber auch innerhalb von Ecuador, weil die Entfernungen so groß sind und die Straßenverbindungen schlecht. Ich fand Technik faszinierend, bin aber daraufgekommen, dass mit Menschen zu arbeiten interessanter ist, zum Beispiel als Psychologe oder Arzt. Mit 14 Jahren habe ich begonnen, mich für den Priesterberuf zu interessieren und habe einige Priester gefragt, wie sie ihre Berufsaufgabe sehen. So bin ich auf diesen Beruf gekommen.
  Was inspiriert Sie am Priesterberuf?
 
  Es ist ein toller Beruf, man kann vielen Menschen helfen, das ist beglückend. Die Botschaft von Jesus, die wir weitergeben können, ist unglaublich wichtig und befreiend. Ich habe es nie bereut, dass ich Priester geworden bin.
  Was fühlen und denken Sie darüber, keinen Ehepartner und eigene Kinder haben zu können?
 
  Ich mag Frauen gerne. Ich bin also nicht Priester geworden, weil ich Frauen nicht schätze. Das Zölibat hat Vor- und Nachteile, es ist eine Herausforderung. Es hängt auch eng zusammen mit der Liebe zu Jesus und seiner Botschaft. Wenn ich mich als Priester jeden Tag bemühe, meine Aufgabe mit Liebe und Hingabe zu erfüllen, dann habe ich mit dieser Lebensform keine großen Schwierigkeiten. Immer dann, wenn es mir ganz allgemein mit dem Glauben und dem Gebet nicht so gut gegangen ist, habe ich mir auch mit dem Leben ohne Familie schwerer getan.
  Der Atheismus zieht immer größere Kreise und auch viele Christen ziehen sich zurück. Sehen Sie den Beruf als Pfarrer mit Hoffnung und Zukunft?
 
  Ich bezweifle, ob es Atheismus wirklich gibt. Alle Menschen glauben doch an etwas. Ohne Glauben und Vertrauen ist das Leben nicht möglich. Manche können vielleicht nicht an das Gottesbild glauben, das sie im Kopf haben. Viele haben eine Gottesvorstellung, die nicht dem entspricht, was uns Jesus vorgelebt hat, sondern sie haben einen fordernden, moralisierenden, strafenden Gott in ihren Köpfen. Da kann ich sie nur bestärken: Diesen Gott gibt es nicht!
  Was zeichnet den Gott Jesu aus?
 
  Jesus ist ein Freund der Bedrückten und Benachteiligten, er war eine einladende Persönlichkeit, ein Abbild Gottes. Frauen und Männer, Junge und Alte sind ihm gefolgt. Wenn man Jesus wirklich kennt, dann kann man sich nur in ihn verlieben.
  Was sind Ihre Ziele als Pfarrer?
 
  Das Allererste: Die Leute kennenlernen, Schritt für Schritt ein Vertrauensverhältnis aufbauen. Ich möchte hellhörig sein auf gute Ideen und Vorstellungen, die mir entgegenkommen, und die berechtigten Wünsche aufgreifen und unterstützen. Und in der wöchentlichen Auseinandersetzung mit dem Wort Gottes kommen natürlich die Ideen und Vorstellungen Jesu als unsere Richtschnur ins Spiel.
  Wie stehen Sie Frauen als Priesterinnen gegenüber?
 
  Ich schätze Frauen sehr. Mein großes Ideal ist, dass Männer und Frauen gut zusammenarbeiten und einander ergänzen.
   

Pfarrer Georg Nigsch
 
Pfarrer
                      Gerhard Mähr
Geboren 1957 in Au,
aufgewachsen in Schoppernau,
Bundesgymnasium Bregenz im Internat Marianum,
1976/77 Auslandsjahr in den USA,
Theologiestudium in Innsbruck und USA,
1983 Priesterweihe,
Kaplan in Dornbirn-St. Martin und Bregenz-St. Gebhard,
1991-2017 Pfarrer in Guadalupe, Ecuador.
Ab September 2020 Pfarrer im Pfarrverband Lochau-Eichenberg.